ROSA Spielregeln 

Sind wir doch mal ehrlich. Wir sind einfach nur große Kinder, die die Freiheit
genießen wollen, um uns zu entwickeln und Erfahrungen zu machen. Freiheit
bedeutet aber nicht Grenzenlosigkeit. Um miteinander Spaß haben zu können,
sollten wir zunächst unsere persönlichen Grenzen kennen und ebenso die der
anderen achten.

Unsere Spielregeln definieren, wie wir während einer Veranstaltung miteinander
umgehen und kommunizieren wollen. Für unsere Zeit im Club wünschen wir uns ein Bewusstsein, das so divers, inklusiv und empowernd wie möglich ist, um die Nächte zu Tagen machen zu können, Musik mit einzigartigen Persönlichkeiten zu teilen und somit gemeinsam einen Safer Space für alle zu schaffen.

Die Awareness Arbeit in der Club- und Kulturszene inkludiert uns alle. 
Dich ebenso wie uns. 
Vielleicht fragst du dich gerade, was „Awareness Arbeit“ überhaupt ist:
Awareness ist ein Prozess zur Bewusstmachung und Befähigung eines
respektvollen Umgangs mit eigenen und fremden Grenzen in einer
gemeinschaftlichen Verantwortung. 
Dies lässt sich erreichen, indem wir sensibler für das Wohlbefinden von uns und anderen werden. Awarenesskonzepte haben zum Ziel, eine möglichst sichere Atmosphäre herzustellen, in der sich alle - unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, körperlichen Fähigkeiten, Aussehen, sexueller Orientierung, Religion und Herkunft - wohlfühlen.
Diskriminierung, sexualisierte Gewalt und grenzüberschreitendes Verhalten sowie die Androhung oder Ausübung psychischer und physischer Gewalt werden nicht toleriert und führen zu Konsequenzen.

Das ROSA-Team setzt den Fokus auf die betroffene Person. Die Bedürfnisse und
Forderungen der betroffenen Person werden ernst genommen und bestimmen das
weitere Vorgehen. Somit ist (sexualisierte) Gewalt, Diskriminierung und/oder
Grenzüberschreitung alles, was eine betroffene Person als solche definiert oder
benennt. Wir handeln nur nach Konsens der betroffenen Person, um so auch die
Selbstbestimmung wahren zu können. Betroffenen Personen wird Glauben
geschenkt und ihre Situation nicht hinterfragt.

Erstmal kurz und knapp damit es hängen bleibt:

1. Seid lieb zueinander! Sprecht offen, inklusiv und hört euch zu!
2. Achtet auf das Wohlbefinden von euch selbst und den Menschen um euch
herum!
3. Wendet euch an das Team, wenn ihr euch unwohl fühlt und/oder ihr selbst
oder andere Unterstützung benötigt!
4. Haltet euch an das Foto- und Videoverbot!
5. Wahrt den Schutzraum und nutzt die FLINTA* Toilette nur, wenn ihr euch als
FLINTA* Person identifiziert.
6. Nutzt die barrierearme Toilette nur, wenn ihr darauf angewiesen seid!
7. Bedeckt eure sekundären Geschlechtsmerkmale!
8. Konsumiert nicht offen und nur soweit, dass ihr weiterhin und zu jeder Zeit
Verantwortung für euer Verhalten übernehmen könnt.

Unser Anspruch an uns selbst und an Dich


1. Unsere Position
Rassismus, Faschischmus, Sexismus, Klassismus und jegliche Form von
Diskriminierung hat bei uns keinen Platz. Bei Vorfällen sind wir parteiisch mit der
betroffenen Person. Damit wollen wir uns aktiv mit Betroffenen solidarisieren und
Safer Spaces schaffen.

2. Kommunikation
„Communication is key!“ - Wenn wir nicht miteinander reden, können wir einander nicht helfen. Wir arbeiten mit und nicht gegeneinander. Wir wünschen uns in der ROSA eine klare und respektvolle Kommunikation.
Wir begegnen einander auf Augenhöhe. Wir sind dabei sensibel für alle Gender und unterhalten uns diskriminierungs- und barrierefrei. Wir verwenden eine inklusive Sprache. Der Wissensstand um bestimmte Themen kann ganz unterschiedlich sein. Aus diesem Grund sind wir offen dafür, uns neue Dinge erklären zu lassen.

3. Diskretion
Wir respektieren und schätzen die Privatsphäre anderer Personen. Deshalb sind
bei unseren Veranstaltungen das Fotografieren und die Aufnahme von Videos
verboten. Daran wirst Du am Einlass erinnert. Sollten wir sehen, dass Du trotzdem
filmst oder fotografierst, wirst du ermahnt und im Anschluss bei erneutem
Verstoß von der Veranstaltung ausgeschlossen.
Alles, was uns im Awarenesskontext erzählt wird, bleibt auch bei uns.
Alle Vorfälle werden vertraulich behandelt.

4. Achtsamkeit vor, während und nach der Veranstaltung
Wir sind sensibel dafür, ob es Dir vor, während und nach der Veranstaltung gut geht.
Wir bewerben Veranstaltungen nicht sexistisch oder in anderer Form
diskriminierend. Wir weisen während der Veranstaltung auf
Unterstützungsmöglichkeiten hin (an Einlass/ Garderobe und im Sanitärbereich). Wir verteilen an der Bar kostenlos Leitungswasser an Dich.
Wir verwehren Personen, die zu stark alkoholisiert sind, den Ausschank von Alkohol. Die Abendleitung verständigt einen Rettungswagen, wenn Du medizinische Unterstützung benötigt, die wir nicht
leisten können. Achte während deines Besuchs auch darauf, ob es deinen
Mitmenschen gut geht und bemühe dich um Unterstützung, wenn diese nötig
ist.

5. Weisungsberechtigung
Alle Menschen unseres Teams haben am Abend das Hausrecht. Jede*r aus dem
Team ist befugt, Dich von der Veranstaltungen auszuschließen, solltest Du
dich nicht vernünftig verhalten und/oder gegen unsere Regeln verstoßen.
Hausverbote werden von der Geschäftsführung ausgesprochen. Wie lange jemand
bei uns Hausverbot hat, richtet sich nach der Schwere des Vorfalls. Hierüber wird
eine Liste geführt, in welcher die Personalien, die Dauer des Hausverbotes und die
Art des Vorfalls dokumentiert werden. Diese Liste wird vor jeder Veranstaltung dem Security-Personal übergeben.

6. Schutzraum schaffen
Wir möchten einen Schutzraum schaffen. Unser Schutzraum ist unser Büro. Das
Büro befindet sich hinter unserer Bar. Zu diesem haben nur unser Team und
spielende Künstler*innen Zutritt. Wir können uns mit Dir im Falle eines Falles dorthin zurückziehen. Du kannst Vertrauenspersonen hinzuziehen. Wenn Du im Büro betreut wirst, hat niemand, der nicht an der Betreuung beteiligt ist, Zutritt zum Büro.
Ein Schild an der Bürotür weist darauf hin, dass gerade ein Fall betreut wird.

7. Keine Ausgrenzung und Grenzüberschreitung im Sanitärbereich
Unsere Toiletten sind in Uni-Sex und FLINTA* Toiletten unterteilt. Unter dem Begriff Flinta* verstehen wir alle Menschen, die sich den Begriffen Female, Lesbian, Intersexuell, Non-Binary, Trans und Agender wiederfinden, sowie alle Personen, die sich ebenfalls nicht als Cis-Männer identifizieren und von der Mehrheitsgesellschaft noch diskriminiert werden. Solltest Du Dich nicht als FLINTA* Person identifizieren, respektiere den Schutzraum und nutze die Unisex- Toilette.
Wir haben eine barrierearme Toilette. Solltest Du diese nicht nutzen müssen,
halte sie frei für Menschen, die auf sie angewiesen sind.
Wenn sich die Ordnung für eine Abend ändert (z.B. Klofloor), kommunizieren wir
dies im Vorfeld und während der Veranstaltung.

8. No Shirt - No Service
Nacktheit kann auf engem Raum als bedrängend empfunden werden und solange
nicht alle die gleichen Privilegien haben, bleiben sekundäre
Geschlechtsmerkmale von allen bedeckt.

9. Safer Use
Konsumiere Alkohol nur so weit, dass Du weiterhin und zu jeder Zeit Verantwortung für Dein Verhalten übernehmen kannst. Achte bei deinem Konsum auf die Grenzen deiner Mitmenschen. Solltest du, obwohl es gesetzlich verboten ist, illegale Drogen konsumieren, lade Dir zum Beispiel die KnowDrugs-App runter und nutze sie. Diese ist kostenfrei und bietet Dir umfassende, aktuelle Informationen und Warnungen zu Substanzen sowie Anleitungen zu Harm Reduction. Solltest Du das Gefühl haben, Du würdest die Kontrolle verlieren, kannst Du jederzeit unser Team ansprechen. Wir bieten Dir Möglichkeiten akuter und allgemeiner Unterstützung. Sollte die Abendleitung einen Krankenwagen rufen, wird erst bei dessen Ankunft über einen möglichen Konsum gesprochen, sodass Du nicht befürchten musst, dass die Polizei hinzugezogen wird. Das ungewollte Verabreichen jeglicher Substanzen an andere Mitmenschen - egal ob mit böser/guter Absicht oder aus Versehen - ist eine Straftat und kann zur Anzeige gebracht werden. Wenn unser Team Dich beim Konsumieren illegaler Drogen erwischt, wirst du von der Veranstaltung ausgeschlossen und die Geschäftsführung spricht Hausverbot aus.

Was kannst Du konkret bei einem Awareness-Vorfall machen?
Grundsätzlich ist es wichtig, Dich mitzuteilen. Wir möchten einen Raum schaffen, in dem wir ins Gespräch kommen und unsere Grenzen kennen und wahren lernen.
Deshalb wünschen wir uns, dass Du Dich bei jedem Vorfall, den du als
grenzüberschreitend wahrnimmst, an unser Team wendest. Unser Team kann
dann gemeinsam mit Dir entscheiden, ob eine Ermahnung ausreicht oder ob die
Person den Club verlassen soll und ggf. Hausverbot erhält. Wende Dich an die Bar,
den Einlass, die Abendleitung oder unser Security Personal.

Was machen wir konkret bei einem Awareness-Vorfall?
Wird einem Teammitglied ein Awareness-Vorfall zugetragen, nimmt sich die
Abendleitung Deinem Fall an. Handelt es sich um eine gewaltbereite beschuldigte
Person, wird unsere Security direkt hinzugezogen.
1. Wir beobachten im Club eine Situation / Uns wird im Club eine Situation von einer nicht-betroffenen Person gemeldet:

  • Wir gehen auf Dich zu und fragen nach Deinem Befinden.
  •  Wir erklären Dir, was und warum als eine Grenzüberschreitung

wahrgenommen oder gemeldet wurde. Dabei drängen wir Dir keine Wahrnehmung auf.

  • Wir respektieren, wenn Du keine Unterstützung wünscht.
  • Wir bieten die Bar, den Einlass und die Abendleitung als Stellen an, an denen

Du Unterstützung erhalten kannst, wenn es gewünscht ist.

2. Wir werden von Dir um Unterstützung gebeten:

  • Wir lassen uns auf Dich ein, hören Dir zu und nehmen Dich ernst.
  • Wir erklären Dir, dass wir nur nach Konsens handeln. Wir respektieren Deine

Wünsche und stellen unsere eigenen hinten an.

  • Wir fragen Dich, ob Du Dich ins Büro zurückziehen möchtest. Wir fragen, ob

Du einen Vertrauensmenschen hinzuziehen willst.

  • Wir lassen uns Zeit und sind zurückhaltend mit Fragen und Körperkontakt. Du

entscheidest, wie das Gespräch abläuft.

  • Wir bieten Dir Möglichkeiten konkreter Unterstützung an. Wir fragen dich, was

du brauchst, wenn du weiter bleiben möchtest.

  • Wir bieten Dir an, dass das Team in Auseinandersetzung mit der

beschuldigten Person geht. Sie kann den Club verlassen müssen und ggf.
temporäres oder dauerhaftes Hausverbot erhalten.

  • Wir kümmern uns um Deinen sicheren Heimweg, wenn Du den Club

verlassen möchtest. Wir kontaktieren auf Grundlage deiner Wünsche
Vertrauenspersonen, ein Taxi oder begleiten dich nach Möglichkeit selbst.

  • Wir bieten Dir eine Nachbesprechung und weiterführende

Beratungsmöglichkeiten an.

3. Drugging als konkretes fiktives Beispiel:

  • Du wirkst stark alkoholisiert und verlässt mit Person X den Club.
  • Wir fragen Dich , ob es Dir gut geht und prüfen dabei, inwiefern Du

ansprechbar und zurechenbar bist. Hierbei lassen wir Aussagen der Person X
außen vor.

  • Wir fragen Dich, ob du mit Person X da bist und ob du Person X kennst.
  • Wir schätzen auf Grundlage der Antworten und der Zurechenbarkeit die

individuelle Gefahrenlage ein und behalten Dich ggf. bei uns.

  • Wir kümmern uns um Deinen sicheren Heimweg. Je nach deiner

Zurechenbarkeit und deinem Wunsch verständigen wir medizinische Hilfe,
Vertraute oder ein Taxi. Grundsätzlich wird immer von der Abendleitung ein
Rettungswagen verständigt, wenn medizinische Hilfe notwendig ist, die wir
nicht leisten können.

  • Gerade bei Drugging sind wir sensibel. Ein falscher Alarm ist besser als ein

drohender Vorfall.

Beratungsstellen und Telefonnummern

Notruf: RTW 112; Polizei 110
Medizinischer Notdienst: 116 117
Taxiunternehmen Greifswald: 03834 502222
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 0800 116 016
Hilfetelefon Gewalt gegen Männer: 0800 1239900
Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530
Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Greifswald: 03834 7983199
Fachpraxis für Gewaltberatung und Tätertherapie Greifswald: 03834 2317903
Opferambulanz zur gerichtsfesten Befunddokumentation nach Gewalttaten:
Tel: 03834 865743
Rufbereitschaft: 0172 3182602
Netzwerk ProBeweis: 0511 532 4599
Sucht und Drogen Hotline: 01806 313031
Fachambulanz für Alkohol- und Drogenkranke Greifswald: 03834 899235
Suchtberatung Greifswald: 03834 892440

Telefonseelsorge: 0800 111 0 111; 0800 111 0 222